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Chronik


Auszüge aus der Chronik des Schützengesellschaft Lehre von 1863
(Autor Schützenmitglied Ulf Schuhmacher)
und aus "DAS SCHÜTZENWESEN".

DAS GRÜNDUNGSJAHR 1863

Lehre war 1863 ein Marktflecken im Herzogtum Braunschweig und für die damalige Zeit mit ungefähr 700 Einwohnern relativ groß. Erst ab Mitte des  vorigen  Jahrhunderts  sind  Gründungen von Schützengesellschaften auf dem Lande festzustellen. Diese Entwicklung wurde vom jeweiligen Landesherrn sehr unterstützt, dem es aber in erster Linie darum ging, daß seine Untertanen den Umgang mit der Waffe lernten.
Die ländlichen Schützengesellschaften hatten ihre Vorgänger in den ehemaligen Bürgerwehren, die während der Befreiungskriege gegen Napoleon (1813/1815) und in den Jahren danach ihren Zweck darin hatten, ihr Dorf zu schützen und zu verteidigen.

Männer aus Lehre gründeten 1863 eine Schützengesellschaft, die älteste ihrer Art im ehemaligen Landkreis Braunschweig. Erst 1879 folgte Bortfeld, dann Wendezelle 1890, Hordorf 1893 und Essinghausen 1898.

Mitglied in der neu gegründeten Schützengesellschaft konnte jeder männliche Einwohner aus Lehre werden, der das 25. Lebensjahr erreicht hatte und gleichzeitig Bauer, Handwerksmeister oder Geschäftsmann war.

Als Anschaffungs- oder Stiftungsjahr der ersten Schützenfahne kann das Jahr 1869 angenommen werden, da diese Jahreszahl auf der Rückseite der "alten Fahne" steht. Die Königskette existiert bereits seit dem Jahr 1864. Der älteste Orden an der Kette stammt vom 1. Schützenkönig und trägt den Namen J. Mäkel 1864.

Schriftliche Aufzeichnungen über die Gründungszeit und aus den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Schützengesellschaft liegen heute nicht mehr vor. Das älteste Protokoll stammt vom 16.07.1927.

ZUM SCHÜTZENWESEN

In Deutschland können nur wenige Vereinigungen auf so altes Brauchtum zurückblicken wie die Schützengesellschaften, und einiges von dieser Tradition, die heute noch das Vereinsleben bestimmt, stammt aus bereits vergangenen Jahrhunderten. Die Gründung von Schützengesellschaften (Schützengilden) reicht weit in das Mittelalter zurück. Das Entstehungsgebiet der Schützengilden ist in Nordfrankreich, Belgien und Holland zu suchen. Dort hatten zahlreiche Städte schon vor dem Jahre 1300 Schützengilden. Einer Chronik aus Magdeburg ist zu entnehmen, daß dort über Pfingsten 1279 verschiedene Wettkämpfe, Ritterspiele und Waffenübungen stattfanden, zu denen die Städte Goslar, Hildesheim, Quedlinburg und Braunschweig Einladungen erhielten. Die Braunschweiger sollen an diesen Wettkämpfen in grüner Bekleidung teilgenommen haben.
Weitere Nachrichten über derartige Veranstaltungen kommen aus Schlesien (1286), Dortmund (1378), Wismar (1401), Brilon (1417) und zahlreichen Städten des Rheinlandes um 1400. Braunschweiger Bürger schlossen sich im Jahre 1338 unter dem Zeichen der

Lilie zum "Lilien-Vente-Bund" zusammen. Diese Bürger waren bereit, ihre Stadt im Kriegsfall zu unterstützen und die Braunschweiger Kaufleute auf ihren Reisen zu schützen. Das erste Schützenfest feierte der Lilien-Vente-Bund 1441.

Im Jahre 1543 fand der 1. Braunschweiger Schützenausmarsch zu Ehren des Schmalkaldischen Bundes statt. Zu diesem Bund hatten sich reformierte evangelische Städte und Fürsten zusammengeschlossen. Die Herzöge Philipp und Ernst von Braunschweig gehörten dazu.

Im Jahre 1545 bekamen die Braunschweiger Schützen vom Rat der Stadt ihre Statuten. Seither wird die Festsetzung der Schützenordnung als Gründungsjahr der heutigen Braunschweiger Schützengesellschaft von 1545 angesehen.

Es ist anzunehmen, daß die Gründung von Schützengilden in Deutschland durch Kaufleute erfolgte, die von ihren Reisen durch Westeuropa Einrichtungen und Gewohnheiten der Schützen mitbrachten. Hierbei ist festzuhalten, daß die Städte mit Schützengilden der Hanse, dem mittelalterlichen kaufmännischen Städtebund, angehörten.

ERSTES SCHÜTZENFEST 1864

Das erste Schützenfest wurde am 2. Julidonnerstag 1864 im Genossenschaftsforst nördlich des heutigen Festplatzes veranstaltet. Im Wald wurden ein Tanz- und ein Schankzelt aufgestellt. Auf einer in einer Mulde angelegten 100 Meter Schießbahn wurde, die Königswürde auf 20-er Ringscheiben ausgeschossen. Die Büchsen für das Schießen besaß Heinrich Frickmann, der auch die Patronen selber anfertigte.
Das Tanzzelt war sehr klein und die Paare wurden für jede Tanzrunde abgezählt. Nach einem Glockenzeichen wurde das Zelt mit Hilfe eines Heuseiles geräumt und die Tanzlustigen mußten sich zum sogenannten "Solostehen" in eine lange Schlange wieder einreihen. Seit dieser Zeit heißt das Waldstück in der Richtung nach Groß Brunsrode im Volksmund "Tanzholz". Romantisch wird das Feiern bei Kerzen- und Petroleumlicht dort schon gewesen sein.

Der Schützenfesttermin Anfang Juli, nach der Heu- und vor der Getreideernte, hat sich in etwa bis heute gehalten. Als Lehre 1912 Elektrizität bekam, war jedes Schützenmitglied verpflichtet, einen Masten für das Stromkabel, das vom Bahnhof bis zum Festplatz reichte, zu setzen und nach dem Fest auch wieder abzubauen.